Der Pate

Franz-Josef Fischer investiert viel Zeit in die Ausbildung seiner Lehrlinge. Dafür wurde er jetzt mit dem Bürgerpreis 2008 ausgezeichnet.

Franz-Josef Fischer, Geschäftsführer des Elektrotechnikherstellers Jäger Direkt

Franz-Josef Fischer, Geschäftsführer des Elektrotechnikherstellers Jäger Direkt, bei der Verleihung des Bürgerpreises 2008. Bild: Jäger Direkt

Sandra Sagona hat ihr nächstes Ziel schon vor Augen:
In fünf Jahren will sie Gebietsleiterin für den Postleitzahlenbereich „3“ beim Elektronikhersteller Jäger Direkt werden. Schon heute kümmert sie sich als Regionalbetreuerin um rund 500 Kunden aus Paderborn, Kassel, Marburg und Gießen. Außerdem ist sie stellvertretende Gebietsleiterin für Norddeutschland. Dabei sah die Zukunft der 21-Jährigen zu Schulzeiten düster aus.

Mit Ach und Krach schaffte sie ihren Realschulabschluss. Auf ihre Bewerbungen folgten immer Absagen. Dann nahmen die Verantwortlichen des Projekts „Jobs für Jugendliche“ der Strahlemann-Initiative sie jedoch unter ihre Fittiche. „Wir wurden von der Initiative zum Tag der offenen Tür bei Jäger Direkt eingeladen. Da habe ich mich gleich in die Firma verliebt und wollte dort unbedingt arbeiten“, erinnert sich Sagona.
Geschäftsführer Franz-Josef Fischer gab ihr einen Praktikumsplatz. So lernte sie das Unternehmen, das Elektrotechnik für das Fachhandwerk herstellt, erst einmal kennen. Wenige Wochen später unterschrieb sie ihren Ausbildungsvertrag zur Groß- und Außenhandelskauffrau. Dabei stand ihr von Beginn an eine Jäger-Direkt-Mitarbeiterin als Patin zur Seite, die sie bei beruflichen, schulischen und auch privaten Angelegenheiten beriet.
Heute, mehr als fünf Jahre nach ihrem Lehrbeginn, ist Sandra Sagona selbst Patin.

Für das Engagement, Jugendlichen wie Sandra Sagona mit der Strahlemann-Initiative bessere Berufschancen zu ermöglichen, hat Jäger Direkt jetzt den Bürgerpreis 2008 in der Kategorie „Aktiver Mittelstand“ gewonnen. Schirmherrin dieses Ehrenamtspreises ist die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Ursula von der Leyen.

2002 gründete der Unternehmer Franz-Josef Fischer mit anderen Mittelständlern in Reichelsheim (Odenwaldkreis) den Verein „Zukunft für Kinder e.V. – die Strahlemann-Initiative“. Der Stiftungszweck konzentrierte sich zunächst auf die beruflichen Perspektiven für Kinder aus Entwicklungsländern. Ein Jahr später bot „Strahlemann“ allerdings unter dem Titel „Jobs für Jugendliche“ 26 Hauptschülern einen Ausbildungsplatz an. Im August 2008 gründeten 52 Unternehmer einen Strahlemann-Ableger in Heppenheim. Jeder Jugendliche, der dort Hilfe sucht, bekommt einen persönlichen Paten. Dieser kommt aus einem der beteiligten Unternehmen. Er soll Praktikums- und Ausbildungsplätze vermitteln und bei Bewerbungen helfen. Wenn ein Lehrvertragunterschrieben ist, bleibt der Helfer noch mindestens ein Jahr Ansprechpartner für den Jugendlichen. „Unsere Mitarbeiter werden für ihre Aufgaben als Ausbildungslotsen ausgebildet, erhalten Seminare mit pädagogischem Hintergrund und werden, wenn nötig, freigestellt“, sagt Fischer.

Selbst seinen Kunden ist er bei der Ausbildung benachteiligter Jugendlicher behilflich. 2005 hat er die Förderung von Ausbildungsplätzen im Elektrohandwerk angestoßen. Firmen erhalten bis zu 250 Euro monatlich, wenn sie einen schwer vermittelbaren Lehrling einstellen. Die Bewerbungsfrist für das Programm läuft bis zum 31. März. Ende April werden die Förderplätze zugeteilt.

Dass Sandra Sagona mit 21 Jahren kurz vor ihrem nächsten Karriereschritt steht, verdankt sie ihrer Ansicht nach dem Fleiß, mit dem sie arbeitet. Auch Franz-Josef Fischer hatte, ähnlich wie seine Mitarbeiterin, keinen leichten Start ins Berufsleben. Er schloss mit einem schlechten Realschulabschluss ab. Nach der Lehre holte er das Fachabitur nach und machte sich mit 20 Jahren selbstständig. Für sein Ausbildungskonzept wurde er schon 2006 mit dem 15 000 Euro dotierten goldenen Ausbildungs-Ass ausgezeichnet. Jetzt steuert er mit Jäger Direkt das nächste Ziel an. Er will sein Unternehmen zum familienfreundlichsten Deutschlands machen.

DATEN & FAKTEN

  • Die Jäger Direkt GmbH & Co. KG wurde 1990 von Thomas Jäger und Franz-Josef Fischer gegründet. Das Unternehmen macht mit den elektrotechnischen Produkten für das Handwerk einen Umsatz von 35 Millionen Euro. Mehr als 20 000 Kunden kaufen Produkte wie Lichtschalter und Verteilerdosen bei Jäger Direkt.
  • Die Unternehmensbereiche Verwaltung und Fertigung sind in Reichelsheim angesiedelt, in Mörlenbach befindet sich das Logistikzentrum von Jäger Direkt. Zudem unterhält das Unternehmen Verwaltungsstandorte in Österreich und den Niederlanden. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen 179 Mitarbeiter.
  • Der erste Auszubildende begann 1999 bei Jäger Direkt, mittlerweile stellt das Unternehmen jährlich fast 15 Lehrlinge ein. Rund ein Viertel der 38 Auszubildenden gilt als „benachteiligt“.

Sabine Skibowski, Econo

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